Der Dichter und Dramatiker James Thomson definierte einen Philosophen als einen, der sich der folgsamen Herde widersetzt in seinem “Sommer: Ein Gedicht” (1730) orig. “Summer: A Poem”:

Der vulgäre Blick; Erstaunen ist ihr Erfreuen, / und mystischer Glaube, eine liebevoll folgsame Herde! / Aber die prüfende Philosophie schaut tief, / mit durchdringendem Auge in die unterschwellige Ursache; / Auch kann sie nicht hinunterwürgen, was sie nicht sieht. // orig. The vulgar stare; amazement is their joy, / And mystic faith, a fond sequacious herd! / But scrutinous Philosophy looks deep, / With piercing eye, into the latent cause; / Nor can she swallow what she does not see.

(aus https://www.theguardian.com/books/2019/nov/22/factitious-taradiddle-dictionary-real-history-fake-news , Übersetzung vom Author)

The sequacious multitude, the gudgeons following a taradiddler. And those who influence others while being “ultracrepidarians”.

Doch das hier Angesprochene muss in Deutsch abgehandelt werden, denn es werden Meinungen zur Covid-19 Pandemie, ihren Ursachen und ihren Folgen auch in Deutsch geteilt. Das Mitlesen von Nachrichten und Meinungen in Fremdsprachen mag nicht so weit verbreitet sein, wie es wünschenswert wäre. Wir igeln uns in unsere Sprachfilterblasen ein und fokussieren auf die eigene Nation, die eigenen Zahlen und die eigenen Aussagen und Beobachtungen, auch wenn man aus dem internationalen Diskurs und den Beispielen weltweit einiges lernen könnte. Es ist wieder schick geworden nur den eigenen Nabel zu beäugen und die Fusselfreiheit im Vergleich mit anderen zu vermelden. Was haben also Sascha Lobo, der Zukunftsforscher Matthias Horx, der Publizist und entrepreneur-Philosoph Richard David Precht und ein deutscher Fussballmanager in Liverpool, Juergen Klopp gemeinsam? Einerseits die deutsche Sprache und damit ein weltweites deutschsprachiges Publikum von ca. 90-105 Millionen Menschen (ca. 80 Millionen sprechen und verstehen sie als Zweitsprache) – und sie alle haben sich zum Coronavirus / Covid-19 / SARS-Cov-2 und dessen Folgen geäussert, alle in ihrer eigenen Art und Weise.

Dies ist eine Polemik und kein Kindergartenaufsatz. Er ist nicht unschuldig und naiv, sondern gibt vor zugespitzt etwas Anzuprangern, nicht nur neutral zu beschreiben. Es handelt sich hier um eine Meinung, eine persönliche und allein die Erwähnung dessen könnte so manchem gewogenen Leser Vertrauen einflössen, der gewohnt ist, dass Autoren ihre Gedanken als Wahrheit und “richtige Sichtweise” über andere stellen. Dies steht mir fern. Im Gegenteil, ich denke es handelt sich durch Länge und Stil um einen Nischentext an Nischengeister, die nicht “berichtigt” werden wollen, sondern selber denken. Das ist selten geworden, denn zumeist werden polemischen Meinungen von anderen übernommen und verkappt weiterverfüttert, um den Mehrwert an Aufregung einzustreichen, um sich wichtig zu machen, um sich einzigartig und unbeirrbar als einer der wenigen zu “outen”, die die Lage wirklich durchschaut haben. Ich würde dem Text und meinem Anspruch, dies zu kritisieren keinen guten Dienst erweisen, wenn ich selbst in diese Falle ginge. Es ist verwirrend, aber lassen Sie mich differenzieren, dass ich zwischen Nischengeistern und “Querulanten”, zwischen Philosophen und Propheten unterscheide, besonders weil die Grenzen zwischen “Quergeist” und undifferenziertem “Querulant” inzwischen im Diskurs verschwimmen. Propheten und Querulanten wollen nicht diskutieren, Sie wollen belehren, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Sie haben die Wahrheit schon. Echte “Philosophen” und Nischengeister sind vorsichtiger, und wollen diskutieren, um sich der Wahrheit anzunähern, ohne sie absolut zu beanspruchen. Ein Philosoph kennt seine Grenzen, ein Querulant wird sie immer gerne ob des Effekts überschreiten.

 

DIE INFLUENZER – PRECHT & LOBO

 

Hatschi! Gesundheit. Man verzeihe mir die allergische Reaktion, aber Influencer hört sich fast wie Influenza an, und dagegen bin ich, wenn auch geimpft, nicht immer immun. Begonnen hat es eine Influencerin, Ava Louise, die ein Video machte, in dem sie die Toilette im Badezimmer eines Flugzeugs leckte. Seitdem haben sich die mit der sozialen Herausforderung verbundenen Videos vervielfacht und Millionen von views gesammelt. Die #CoronavirusChallenge wurde von den Experten als “unverantwortlich” eingestuft, von klar denkenden Individuen als unsäglich blöde.

 

Precht hingegen wurde auf einer Konferenz in NRW angesprochen, dem Bundeslamd mit den bis zu diesem Datum meisten Covid-19 Fällen. (offiziell an dem Tag) Precht ist ein Pop-star, schreibt die FAZ über den “Doktor Allwissend der Republik”: “Er könnte auch eine Matinee über die Schönheit der Aale, einen Workshop über Primzahlen oder ein Wochenendseminar über die Klassiker der albanischen Literaturgeschichte halten – der Saal wäre voll, in Düsseldorf genauso wie in München oder Wolfenbüttel. Precht ist überall ein Star, das Thema ist egal.” Prä-Covid könnte man das für egal halten (der Artikel ist ca. 2 Jahre alt) aber seit dieser Zäsur ist es nicht mehr egal, was man öffentlich sagt, denn aufgrund einer Meinung könnten Menschen sterben. Schon die Klimakrise, zu der er sich wortgewaltig im Fernsehen oftmals geäussert hat, bot wenig Spielraum für Narrative, die sich später als falsch oder unzureichend herausstellen könnten, aber einiges davon mag sich erst in 10 Jahren deutlich zeigen. Hier, im März 2020 bekommt man die Rechnung, das Ergebnis einer fahrlässigen, oberflächlichen Einschätzung innerhalb einer Woche zurückgespielt. D von bis Zahlen.

LOBO

Erstens grassiert diese “Vernunft” erst seit ca. einer Woche, ihr wirklich nachgegangen wird in Europa erst seit weniger als 2 Wochen flächendeckend, da der Appell an Vernunft allein nicht die gewünschten Ergebnisse zu bringe scheint. Und zweitens, seit wann ist Vernunft was Schlechtes, etwas “Gefährliches”, etwas das zu meiden ist, als Haltung? Hier scheint wohl eine äussert unvernünftige Grundhaltung durch, die sich nun nicht alles so drehen kann wie sie es braucht, um Einladungen zu Konferenzen zu kreieren…

Denn ehe man sich’s versieht, schon wird auf die Vernunft geschossen, wird “Vernunft” in einer Krisenzeit wie keiner seit Jahrzehnten vorschnell in Misskredit gebracht, beäugt, kritisch hinterfragt. Wo war dieses Hinterfragen in 20Jahren unvernünftiger neoliberaler Sparpolitik, im Abtauchen in Memes und dem Feiern der Wirtschaft, der “Vernunft” des Marktes, der ja alles loesen wird, dem unvernünftigen Ruf nach “unbegrenztem Wachstum”?

Haben wir vergessen, dass Europa auf dem Projekt der Aufklärung beruht, nicht auf fake news? Vernunft als Wert wurde schon vor langer Zeit wie das Kind mit dem Bade ausgekippt. Und nun ist es natürlich als erstes Schuld, wenn es berechtigt den Raum betritt und uns ruhig fragt, ob wir noch bei Trost sind.

„Freunde des Menschengeschlechts und dessen, was ihm am heiligsten ist! Nehmt an, was euch nach sorgfältiger und aufrichtiger Prüfung am glaubwürdigsten scheint, es mögen nun Facta, es mögen Vernunftgründe sein; nur streitet der Vernunft nicht das, was sie zum höchsten Gut auf Erden macht, nämlich das Vorrecht ab, der letzte Probierstein der Wahrheit zu sein.“(Philipp Immanuel Kant: “Was heißt: sich im Denken orientieren?”, erste Auflage, S .329)

Kant hat die Vernunft in in engerem und weiterem Sinn eingeteilt. In einem weiten Sinn bestimmt Immanuel Kant Vernunft als Gesamtheit der oberen/höheren Erkenntnisvermögen (Erkenntnisfähigkeiten). Dazu gehören Vernunft in einem engen Sinn, Verstand und Urteilskraft (untere/niedere Erkenntnisvermögen sind Sinnlichkeit/Anschauung). In einem engen Sinn bestimmt Immanuel Kant Vernunft als das Vermögen (die Fähigkeit), das Schlüsse zieht und dabei Urteile des Verstandes unter Prinzipien (allgemeine Bedingungen) zu bringen versucht. Ich denke wir befinden uns hier auf der Ebene, Erkenntnisvermögen zu kritisieren, aber es ufert deutlich in Richtung Urteilskraft aus, der Kant eine ganze Kritik gewidmet hat. Das ganze in seiner Weise in theoretische und praktische Vernunft zu unterscheiden, wuerde den Rahmen hier deutlich sprengen, ganz zu schweigen von der reinen Vernunft. Bleiben wir also bei der Boulevardmeinung:

Das Wort “Vernunftpanik” das Lobo hier schmiedet und anbietet ist kein heisses Eisen, es ist rhetorische fake news. Es gibt keine “Vernunft-Panik” denn Panik und Vernunft schliessen einander aus. Vernunft ist niemals panisch, wenn dies eine panische Reaktion ist, dann ist sie nicht vernünftig – in Panik denke wir nicht nach. Das sieht eher wie prä-covid aus, das Nicht-Nachdenken. Der “schreiende Vernunftappell” kommt, weil die Politik als Beschützer versagt und die Sache zu lange auf die leichte Schulter genommen hat, trotz der Tatsachen in Europa und China. Vernunft als “Abwägen zwischen verschiedenen Werten” – ja wenn man denn Werte hätte. Das öffentliche Gesundheitssystem fuer alle, Bildung und Praevention sind keine Werte an sich und doch durchaus vernuenftig. Sie wurden zu Abschreib- und Streichposten im Budget.

“Selbstgerechtigkeit, Angstlust oder schiere Missgunst” waren immer schon da, und wurden in dem letzten 20 Jahren besonders durch die “sozialen” Medien oft bewusst geschuert. Man hat damit Politik gemacht. Und nun regt sich ein Influencer in Berlin auf, dass seine Freunde in der teuren Wohnung in Mitte nicht wirklich solidarisch sind, sondern sich selbst retten wollen, und andere auch dazu anhalten. Schlimm. #staythefuckreasonable, Sascha Lobo, die Hipster nun zu Taetern zu machen gelingt in einer epochalen Krise FUER ALLE nur, wenn man den Ressentiment-Knopf gedrueckt haelt, um noch mehr Verunsicherung zu saeen (kommt von Saat, ich schreibe auf einem italienischen Keyboard, da sind die Umlaute kompliziert…). Der ganze Artikel ist eine “soziale Herablassung” da er ja nun den Schuldigen im Fadenkreuz hat, genauso wie die, die er anklagt. Es handelt sich um eine weltweite Krise, die Nachrichten werden auch von Minderheiten in ihren Landeskanaelen kolportiert, in ihrer Sprache, nun die uninformierten Minderheiten schuetzen zu wollen erscheint zynisch, fast wie reziproker Rassismus. Die verstehen ja nichts…- doch, tun sie.

Bei den “bei den Solo-Selbstständigen, die von Veranstaltungen, Kunst, Kultur, Gastronomie und Arbeit in einer Vielzahl anderer, temporär stillgelegter Branchen” hat er recht, das soll aber nun auch staatlich gestuezt werden, das vergisst er zu erwaehnen. Durchaus bin ich der Meinung und nicht IMHO, dass “die vermeintlich absurden Fake News ihrer Verwandten und Bekannten auf WhatsApp” abwertend zu kommentieren sind, oder eben harsch richtig zu stellen – auf Basis des oeffentlichen, wissenschaftlichen Konsens und eigener verantwortungsvoller Nachforschungen.
Wir erleben eine Krise der Krisenkommunikation, und Lobo schlachtet das aus, um noch mehr mit Finger zu zeigen. Das ist clickbait, das kann man sich durchlesen, aber es entzweit mehr als es “vorgibt” zu helfen. Sacha Lobo, dessen Job als Stimme in der Spassgesellschaft sich nun veraendert schein das nicht wahrhaben zu wollen, dass eine Twittermeldung eines “Poldis” wahrer sein koennte als sein ganzer Artikel, und mehr Menschen erreicht. Ich kann selbst bezeugen, dass empathische Hinweise aus der Quarantaene in Venedig bei vielen Freunden und Bekannten kein Umdenken sondern nur Verwunderung, ja Erstaunen ausgeloest hat – bis die Fallzahlen im eigenen Land exponentiell stiegen.

Lobo ist durchaus unfreundlich hier, aber fordert Freundlichkeit, fordert demokratisches Denken und diskutieren in Krisenzeiten, in denen es nicht um seine Meinung geht. Mit dem Virus kann man nicht konsensorientiert diskutieren. Die “Reaktanz” von der er spricht, stellt sich genau in diesem, seinem Artikel dar. Da ist etwas kommunikativ fehlgeleitet. Die Zahl der Trotzigen ist nicht gefaehrlich, der SARS-Cov-2 Virus, der von Menschen herumgetragen und weitergegeben ist, ist gefaehrlich. Nachrichten und Stimmen sind wie Viren, sie bauen das Genom im Hirn um, die pflanzen sich fort.

“Nicht alles, was auf den ersten Blick wissenschaftlich sinnvoll ist, kann eins zu eins umgesetzt werden. Gesellschaften sind komplexe Haufen, in denen oft anders reagiert wird, als Laien glauben.” Genau, komplexe Haufen, die egomanisch an nichts zu glauben gelernt haben, nicht an Experten, nicht an die Politik, nicht mehr an die Wirtschaft – aber doch reich und instagram-beruehmt werden wollen. Es kann halt nicht jeder Influencer werden. Umsetzen, was wissenschaftlich sinnvoll ist, scheint die einzige Moeglichkeit zu sein, um den Ausbruch einzudaemmen. Punkt.

Wer das verleugnet oder verwaessert, nimmt zynisch tausende Tote mehr in Kauf, aber Hauptsache wir haben uns die Pseudo”freiheit” erhalten, die wir schon vor langer Zeit an Staat und Konzerne verkauft haben, ja, was heisst, hergeschenkt…   Ich poste das überall wo ich den Lobo Artikel vorfinde – also nein, ich hab das hier nicht extra für diese timeline geschrieben…

DIE PHILOSOPHEN

Am Dienstagabend (03/03/2020), nachdem seine Mannschaft aus dem FA Cup ausgeschieden war, sträubte Juergen Klopp sich, Fragen zum Covid-19 Ausbruch zu beantworten. Seine Meinung zu diesem Thema spiele keine Rolle, da er lediglich jemand mit einer “Baseballkappe und einer schlechten Rasur” waere.

DIE AUFWIEGLER – WORDARG & CO.

Wir leben in einer Demokratie und in einer solchen herrscht Meinungsfreiheit. Jeder darf etwas sagen und mitdiskutieren, aus einer Vielzahl an mitunter widersprüchlichen Meinungen ergibt sich dann ein im Idealfall ein Konsens für die Gesellschaft. ABER, wenn wir nun noch dazu in einer “flachen” Informationsgesellschaft leben, in der Amateure wie Experten über Leben und Tod in einem Medium wie Facebook oder Youtube “befinden wollen”, das nicht dafür geschaffen wurde, um seriöse, tiefergehende Diskussionen zu führen, dann wird daraus gesellschaftliche Konfusion.

Man muss (und soll) auch den Kritikern oder den Verschwörungstheoretikern ohne Beweisen, die keinem Covid-19 Patienten direkt behandelt haben, widersprechen dürfen, auch wenn sie sich auf die Meinungsfreiheit berufen. Man muss ihre Aussagen überprüfen und ihre Hypothesen falsifizieren können, Fakten und ungerechtfertigte Interpretationen richtigstellen dürfen. z.B. geschieht das hier: https://www.mimikama.at/…/arzt-verharmlost-coronavirus-fak…/

Im Falle von Covid-19 scheint die Gerüchteküche besonders schlimm und aus dem Ruder gelaufen. Sobald auch nur ein Hinweis im Entferntesten auftaucht, der eine wünschenswerte, oft ungeprüfte Expertenmeinung unterstützt, ja “belegen” könnte, wird sofort alles zitiert und dazugestellt (geposted) was hier vermeintlich heraufbeschworen wird. Im Wirtshaus und am Stammtisch geschieht das genauso – als solches muss man diesen “Meinungsaustausch” auch sehen. Ein blog, ein Post, ein offener Brief macht noch keine Wahrheit oder hat Anspruch darauf. Wissenschaft und das Eindämmen/Heilen von Krankheiten funktioniert nicht am Stammtisch oder mit der Hilfe von Laien, die wieder jemanden kennen, der jemand kennt, der rausgefunden hat, dass-…

Auch Experten können irren und haben oft eine andere Motivation als die reine Wahrheit, vielleicht ihre eigene Profilierung, vielleicht glauben Sie an ihre Interpretation, vielleicht treibt sie anderes an. Alle Fachmeinungen können interessant sein, aber ohne handfeste Beweise, dass bei Covid-19 alles fabriziert ist, die Tests fake news verbreiten, die überwältigten Ärzte for Ort, die überschrittenen ICU Kapazitäten, die Triage der Patienten wie im Krieg ein Theater und die Toten alles Simulanten, muss man das vernünftigerweise ins Reich der Spekulationen abtun.

Bei Ärzten gehe ich immer mit der Menge und mit denen die vor Ort behandeln, nicht mit den Schreibtischtätern, denn die sind durchsetzt mit Egomanen und kritischen Geistern – nur ein fundierter Konsens und professionelle Stimmen direkt von den Orten des katastrophalen Geschehens bringen da Klarheit.

Mit dem Weiterleiten von kritischen Stimmen, die das alles für nicht schlimmer als eine saisonale Grippewelle halten tut man der Meinungsfreiheit einen Dienst, aber leider nicht der Diskussion. Interessanter wäre es, einem Propheten aus Expertenkreisen nicht facevalue sofort alles zu glauben, sondern gerade in Krisenzeiten generell skeptisch zu bleiben – auch gegenüber einem Staat der nun einer kleinen Anzahl von Experten zuhört, und dann politsch wirksame Massnahmen zu verantworten hat.

Wenn man sich die Zeit nimmt,  dem unaufgeregten 22min des Herrn Wodarg zuzuhören im könnte man meinen – ja warum nicht? Alles ein Hoax!  Ha. Der Mann scheint einen soliden Trackrecord zu haben und spricht vernünftig, aber das reicht halt nicht.

IMHO, bei einem Einzelnen gegen alle „Römer“ kommt schnell die David-Asterix-Sympathie auf. Und der Glaube an Zaubertränke sprosst. Auch bedient es alle Wünsche und Verschwörungsängste, die wir haben, dass wir mit all dem gross an der Nase (hatschi) herumgeführt werden. Es scheint sich hier um ein pauschales Argument „des Kaisers neue Kleider“ zu handeln, es sei alles normal und der Fokus und die Medien produzieren in Panik eine Krankheit, die es ja so gar nicht gibt. Test misst das was eh schon da ist, Leute sterben wie üblich, aber wir schreien Covid-19 Pandemie nach der neuen WHO Definition (sind ja alles gekaufte Piraten) und legen das öffentliche Leben still. Viel Lärm um nichts. So, ich bin nicht in Urlaub, kein Lungenfachmann, aber ich wäge ab zwischen einem möglichen wünschenswerten •nichts gewesen, ha• und dem Aufwand einer weltweiten Inszenierung und dem übertriebenen faken von 185.000+ Fällen bis dato, die ja alle sowieso „normal“ krank geworden wären und 7.300+ Toten (ja ich hab das Video von Herrn Wodarg schon mehrmals geforwarded bekommen in den letzten Tagen und besprochen, das sind alte Zahlen), also Tote, die nicht mehr berichten können, ob die Diagnose Covid-19 oder nicht irgendeinen Unterschied bei ihrem Hinscheiden ausgemacht hat. Ich vertraue der Menge an Professionisten, die in den Praxen, Ambulatorien und Intensivstationen mit einem Outbreak konfrontiert werden, und die alle (so wie er) dort sitzen, weil sie unaufgeregt abwägen müssen, ob das serious ist oder nicht (im Vergleich zum letzten Jahr oder eben überhaupt). Ich tue mir schwer zu glauben, dass 1000 Ärzte irren, panisch werden und nach Hilfe vom Staat rufen, ihre Betten mit schweren Fällen (nicht wie jedes Jahr) überfüllt sehen wie in der Lombardei und eben so gar nicht wissen was sie tun. Einige wenige ja, aber wie faked man nun diese eskalierende Situation in Milano-Lombardei-Venetien-ganz Italien, wenn da doch „nichts“ ist und ganz normal viele ARDS (acute respiratory distress syndrome) Fälle reinkommen. Und auch normal viele sterben. Da muss man doch eigentlich Entwarnungen hören, oder?

31.000 Fälle in Italien, exponentielles Wachstum und Co-indikationen bei den schwersten Fällen mit Covid-19, einem NEUEN Virus, wie auch Herr Wodarg zugibt. All die Studien dazu und Erfahrungen „an der Front“ hinterhältig gefälscht – um was genau zu erreichen? Cui bono, wenn es alle trifft? Also eines war schon vom Beginn klar – solange ein neues Virus nicht pandemisch wird und Millionen von Menschen weltweit infiziert, werden Konsequenzen statistisch in den riesigen Zahlen zur saisonalen Grippe verschwinden. 290.000-650.000 Tote laut WHO geht auf Influenza zurück, CF Rate (CFR – case fatality rate ca. 0,1%). Tritt ein neuer pathogener Keim auf (ja, es gibt auch anderen Corona-arten aber wie SARS sind viele humanpathogene, derer gibt es 6, mit dem neuen Covid-19 sind es 7, auf die Fledermaus zurückzuführen. Allein diese Verbindung wissenschaftlich profund herzustellen hat mehr als eine Dekade mühselige Arbeit von professionellen Wissenschaftlern wie der Virologin Shi Zhengli benötigt, um sicher zu sein. Genau diese hat bei der Identifikation des Covid-19 strains in Wuhan geholfen und hat vor Ort in Quarantäne gearbeitet. Und wo war der Herr ex-MdB Dr. da? All diese Teams weltweit sollen also nun absurde Hitzköpfe sein, die das Kaisers neue Kleider nicht sehen? Bei einer kleinen Gruppe, vielleicht, nur China, vielleicht auch noch, but on the doorstep, wenn alle zu Beginn eigentlich seiner Meinung waren und es zumeist heruntergespielt haben – und dann um Hilfe riefen? Nein. Ich danke ihm für seine Fachmeinung (nein, das tue ich eigentlich nicht, das meine ich bitter ironisch), aber ohne handfeste Beweise, dass das alles fabriziert ist, muss ich das vernünftigerweise ins Reich der Spekulationen abtun. Besonders, weil wir nicht wollen, dass ein neuer Keim mit stark erhöhter CFR pandemisch die „Grippetoten“ um 10-60fache hochschnellen lässt – und das fällt erst bei Millionen infizierten stastistisch auf… 😉 wenn ihn das kaltlässt, ist er fahrlässig und ethisch äusserst fragwürdig. Wenn er recht haben sollte, ist die ganze Truppe seiner Kollegen fahrlässig, da sie etwas aufbauscht, das gar keine zusätzlichen Probleme macht. Runterspieler, die Leute verunsichern und im Endeffekt auch die Politiker nur langsam reagieren lassen werden mitverantwortlich, wenn ihre Aussagen zu späten Reaktionen und vermeidbarem zusätzlichem Leid führt. Den Effekt davon wird man (im Gegensatz zu Italien) als Rechnung in D, A, USA und F präsentiert bekommen, mit den Fallzahlen, die im Krankenhaus aufschlagen.

Aber vielleicht kommt ja nichts, ist ja alles nur eine Erfindung der Medien… dann können wir ja beruhigt sein.

AGAMBEN & ZIZEK

Hach ja, und auch der Turbophilosoph Slavoj Zizek hat einen neues Buch am Start, schon zum Vorbestellen, am 24/02/2020 in die Inbox geflattert:

“WHO BETTER THAN SUPERCHARGED SLOVENIAN PHILOSOPHER SLAVOJ ŽIŽEK  TO UNCOVER COVID-19’s DEEPER MEANINGS, CONJURE WITH ITS MIND-BOGGLING PARADOXES, AND SPECULATE ON ITS WORLD-SHAKING CONSEQUENCES?”

Er verspricht darin von MAD (Mutually Assured Destruction), zu MAD (Mutually Assured Distance) zu tanzen wie Nietzsches Seiltänzer über dem Abgrund. Ist es nun wichtig, schnell zu sein, den Schnellschuss im Hochofen der kochenden Ereignisse zu lanzieren, um auf der Aufmerksamkeitswelle mitzureiten? Oder drängt ihn der Verlag zum Schreiben, zwingt ihn zum Kommentar, lässt den Bluthund der Konzeptbeschau von der Leine, um Material zu finden, für den Verkauf, die Bücherregale, die müden Gehirne der Überforderten. Vielleicht gönne ich mir das ja, einsam unterm virtuellen Weihnachtsbaum…

DIE EXPERTEN

Was fehlt ist Zurückhaltung und ein wenig Bescheidenheit. Stammtischmeinungen, geschärft an Dekanden der Social Media Dekadenz denken nun auch in lebensbedrohenden Situationen, dass ihr sprichwörtlicher Senf, den sie abzugeben haben, anderen die Weisheit einimpfen wird und Sie viele besser wissen als die verantwortlichen Experten, deren Job es ist, diese komplexen Zusammenhänge einzuschätzen. Nach zwei Monaten scheint sich, auch durch die Politik, die einknickt und die Disastermüdigkeit (disaster fatigue ist ein klinischer Begriff) von Teilen der Bevölkerung die Stimmung zu wenden, auch unterstützt durch die Medien, die immer etwas Sensationelles oder Aufregendes zu berichten benötigen. Man fragt sich, ob nicht der Druck der Medien, endlich wieder Leser zu sammeln und pay walls zu errichten, die Shock Politics von Trump, Orban & Co. erst möglich gemacht haben, willfährig auf jede neue Provokation aufspringend, die erst dadurch ihre wahre Wirkung entfalten kann.

Zu Drohten und der Schweinegrippe

Manchmal wünschte ich, es gäbe eine Impfung gegen unseriöse Meinungen und unnötige Polemiken, aber so etwas wird es noch lange nicht geben. Ich frage mich oft, was es genau psychologisch bringt, einen anerkannten Experten in einem Feld, in das man vielleicht nicht mal auf Studienbuchniveau eingelesen ist, zu kritisieren, als wäre man plötzlich ein Kapazunder auf dem Gebiet mit zig Publikationen und dem Nobelpreis im Regal? Vielleicht hatte Warhol Recht mit seinen 15Minuten Ruhm, die jeder braucht, oder es erklärt die Reality TV Shows, Talent-scouting Formate und die Dancing Stars. Jeder glaubt nun in allem der Beste werden zu können, über Nacht, und vergisst, dass es ein Unterhaltungsformat ist, nicht die Realität oder Fähigkeit des Einzelnen. Die Schweinegrippe ist mit Covid-19 nicht zu vergleichen, weder virologisch, noch epidemiologisch, alles andere erscheint unseriös.

DAS “DANACH” in dem wir sind

Nach einem traumatischen Ereignis besteht oft ein starker Drang, “wieder normal zu werden” und das Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit mit dem Leben wiederherzustellen. Aber “normal” ist möglicherweise nicht mehr möglich – oder ratsam -. Stattdessen finden Kommunikationen, die sich sowohl auf als auch auf Unterstützung konzentrieren, Resonanz bei Menschen im gesamten politischen Spektrum und bilden eine neue Vorstellung davon, was “normal” ist.

Untersuchungen zum Klimaengagement zeigen immer wieder, wie wichtig – der Glaube, dass es möglich ist, etwas zu tun, und wenn Sie etwas tun, wird es einen Unterschied machen – entscheidend für die Motivation von Maßnahmen ist. Menschen können mit stark negativen Informationen über den Klimawandel umgehen, wenn sie mit Sinn und Verständnis etwas tun können.

Menschen, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben, haben aber auch ein Recht auf Genesung. Untersuchungen zeigen, dass Gemeinden, die beispielsweise unter Überschwemmungen gelitten haben, möglicherweise stark darauf hinweisen, dass der Klimawandel dazu führen wird, dass er in Zukunft häufiger auftritt, da dies darauf hindeutet, dass er möglicherweise erneut auftritt. Menschen, die mit einer Krise zu tun haben (Covid-19), haben verständlicherweise möglicherweise nicht die Fähigkeit, an eine andere zu denken (Klimawandel), wenn sie emotional, sozial oder finanziell zu kämpfen haben.